Phase 2: Peer Besuch

In die zweite Phase des Peer Review Verfahrens fällt der Peer Besuch und damit das Kernstück des Verfahrens. Peers besuchen die Schule und führen eine Evaluation durch. Am Ende des zweitägigen Peer Besuchs geben die Peers ein mündliches Feedback an die Vertreter/innen der Schule.

Vorbereitungstreffen des Peer Teams und Klärung letzter Fragen mit der Schule

Das Peer Team trifft sich im Vorfeld des Peer Besuchs zu einem Vorbereitungstreffen, bei dem die Peers auf der Grundlage des Selbstberichts der Schule den Ablauf des Peer Besuchs vorbereiten (d.h. Zeitplanung, Evaluationsdesign und Evaluationsmethoden, Interviewleitfäden etc.). Zusätzlich zu diesem Vorbereitungstreffen benötigen die Peers womöglich unmittelbar vor dem Peer Besuch noch Informationen oder Erklärungen von der Schule, die sich ggf. nach der Lektüre des Selbstberichts ergeben haben. In diesem Fall sollte dafür Zeit zwischen dem/der Peer Koordinator/in und dem/der Peer Review Organisator/in reserviert werden. Dieser Austausch kann dadurch erfolgen, dass der/die Peer Review Organisator/in der Schule am Vorbereitungstreffen des Peer Teams teilnimmt, wenn sich dies zeitlich und örtlich leicht organisieren lässt. Dieser Austausch kann aber auch kurz vor dem Peer Review stattfinden (z.B. am Vorabend des Peer Besuchs). Natürlich können diese Fragen und Antworten zwischen Schule und Peer Team auch per E-Mail oder Telefon ausgetauscht werden

Wie läuft ein Peer Besuch ab?

Der erste Tag des Peer Besuchs beginnt mit einem gegenseitigen Kennenlernen der Schule und des Peer Teams: Der/die Direktor/in bzw. Abteilungs-/Bereichsleiter/in gemeinsam mit dem/der Peer Review Organisator/in begrüßen das Peer Team, und die Peers stellen sich den Schulvertretern/innen vor. Der/die Peer Review Organisator/in informiert kurz über die Zeitplanung und ev. weitere organisatorische Aspekte (Räume, Verpflegung etc.). Daraufhin beginnen die Peers mit ihren Evaluationen an der Schule und zwar nach dem zuvor mit der Schule vereinbarten Ablaufplan (Peer Besuchs Agenda).


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11 Beispiel Peer Besuch Agenda (doc 78 kb)

Während des Peer Besuchs führen die Peers eine Evaluation an der Schule durch, d.h. sie untersuchen und bewerten jene zwei Qualitätsbereiche bzw. Fragestellungen, die die Schule für die Evaluation ausgewählt hat. Die Grundlage für die Untersuchung sind der Selbstbericht der Schule und weitere relevante Dokumente, die vom Peer Team vor dem Besuch analysiert wurden. Während des Peer Besuchs überprüfen die Peers die Ergebnisse der schulischen Selbstevaluation und führen ihre eigene zusätzliche Evaluation durch. Das bedeutet die Erhebung zusätzlicher Daten mittels verschiedener Methoden.

Am Ende, aber auch im Mittelpunkt des Peer Besuchs steht die Feedbacksitzung, bei der das Peer Team den Vertretern/innen der Schule seine Ergebnisse mitteilt. Diese Ergebnispräsentation stellt eine anspruchsvolle Aufgabe für die Peers dar, geht es doch darum, der Schule die Ergebnisse klar, prägnant und gegliedert nach Stärken und Verbesserungsbereichen mitzuteilen. Ziel ist es, der Schule ein kritisch-wohlwollendes Feedback zu geben.

Es empfiehlt sich, möglichst viele Personen aus der Schule zu dieser Feedbacksitzung einzuladen. Ein größerer Teilnehmer/innenkreis (Schulleiter/in, Peer Review Organisator/in, Qualitätsteam, Kollegium, Schulpartner, Schüler/innen, andere befragte Gruppen …) bewirkt die schnellere Verbreitung der Ergebnisse und macht den gesamten Prozess für alle Beteiligten und Betroffenen transparent. Natürlich können und sollen neben der Feedbacksitzung auch andere Wege eingeschlagen werden (z.B. Homepage, Intranet, Anschlagtafeln etc.), um die Verbreitung der Ergebnisse innerhalb der Schule sicherzustellen. Dies ist für die Umsetzungsphase nach dem Peer Review besonders wichtig.

Nach dem Feedback sind die Schulvertreter/innen aufgefordert, die Ergebnisse zu kommentieren. Ziel des mündlichen Austausches nach dem Feedback ist das gemeinsame und richtige Verständnis über die Inhalte des Feedbacks, z.B. mittels der kommunikativen Validierung - d.h. durch direkte Rückmeldungen seitens der Schule, einschließlich einer Klärung von Missverständnissen oder irrelevanten Schlussfolgerungen. Diese Rückmeldungen der Schule werden im Peer Review Bericht berücksichtigt.

Es kann auch vorkommen, dass die Peers zu Ergebnissen kommen, die nicht verlangt wurden bzw. nicht als zu untersuchende Qualitätsbereiche definiert wurden. In diesem Fall sollten die Peers und die Schule gemeinsam entscheiden, wie mit diesen Ergebnissen umzugehen ist. Wichtige Rückmeldungen, die außerhalb der vereinbarten zu untersuchenden Qualitätsbereiche liegen, sollten nicht automatisch verworfen werden. Diese zusätzlichen Ergebnisse können entweder nur mündlich, z.B. im Rahmen der Feedbacksitzung, präsentiert werden, oder aber auch, wenn alle Seiten einverstanden sind, als Zusatz im Peer Review Bericht vorkommen.

Die Peers geben der evaluierten Schulen nicht nur Feedback, sondern erarbeiten auch Ideen und Verbesserungsvorschläge zu den von der Schule ausgewählten Qualitätsbereichen und Fragestellungen. Ob mit diesen Ideen und Vorschlägen weitergearbeitet wird, entscheidet alleine die Schule bzw. die Schulleitung.

Evaluationsmethoden, Datenerhebung und - analyse

Jeweils zwei Peers bilden ein Peer Tandem, d.h. das Peer Team teilt sich für die Datenerhebungen in zwei Peer Tandems auf. Diese Tandems können parallel arbeiten, was den Prozess zeitlich effizienter macht, aber auch zur Objektivität der Ergebnisse beiträgt. Die Tatsache, dass bei allen Aktivitäten der Datenerhebung immer zwei Peers gemeinsam anwesend sind, stellt eine wichtige Voraussetzung für ein faires und ausgewogenes Verfahren dar, da bei zwei involvierten Personen die Wahrscheinlichkeit subjektiver und willkürlicher Beurteilungen wesentlich reduziert wird (Vier-Augen-Prinzip). Zwei Personen nehmen außerdem mehr wahr als eine Person.

Im Rahmen des Peer Besuchs können die Peers verschiedene Methoden anwenden (Interviews; Gruppendiskussionen; Beobachtungen in Klassen, Laboratorien, Werkstätten; Rundgänge, Foto- oder Videoevaluierungen; Rollenspiele etc.). Der Einsatz verschiedener Methoden und Informationsquellen sowie die Befragung unterschiedlicher Gruppen zu den gleichen Themen z. B. Lehrer/innen, Schüler/innen, Arbeitgeber) wird als „Triangulation“ (s. Glossar) bezeichnet und erhöht die Qualität der Evaluierung und damit die Objektivität, Zuverlässigkeit und Validität der Informationen.

Interviews gehören zu den meist verwendeten Methoden im Rahmen von Peer Reviews. Ziel ist es, möglichst viele Informationen von den verschiedenen Interviewgruppen zu erhalten. Interviews können einzeln oder in Gruppen (oft vier bis sechs Personen) durchgeführt werden, wobei die Gruppen in der Regel ca. 45 bis 60 Minuten befragt werden. Die Interviewgruppen sind üblicherweise eher homogen (Fokusgruppen), es können aber auch Gruppeninterviews mit Vertretern/innen verschiedener Anspruchsgruppen durchgeführt werden.

Es hängt von den zu evaluierenden Qualitätsbereichen sowie vom Evaluationsdesign, das die Peers für den zweitägigen Peer Besuch erstellen, ab, welche Gruppen von Betroffenen interviewt werden sollen. Die Schule legt gemeinsam mit den Peers fest, wer interviewt werden soll. Interviewteilnehmer/innen sind für gewöhnlich:

  • die Schulleitung (Direktor/in, Abteilungsleiter/in);
  • Mitarbeiter/innen (Lehrer/innen, administratives Personal …);
  • Schüler/innen (versch. Jahrgänge bzw. Klassen);
  • ehemalige Schüler/innen bzw. Absolventen/innen;
  • andere Anspruchsgruppen bzw. Stakeholder (z.B. Vertreter/innen von Unternehmen, Eltern etc.).

Die Einladung zu den Interviewgruppen liegt in der Verantwortung der Schule, die jedoch – um Ausgewogenheit und unterschiedliche Stimmen zu gewährleisten – eine repräsentative Auswahl an Interviewpartnern/innen für jede Gruppe treffen soll. Die Peers, insbesondere der/die Peer Koordina-tor/in als Leiter/in des Peer Teams sollte der Schule gegenüber klare Vorstellungen für die Zusammensetzung der Interviewgruppen formulieren. Bei der Zusammenstellung der Interviewgruppen sollten besonders formelle und informelle Hierarchien sowie bestehende Konflikte oder Interessensgegensätze berücksichtigt werden, die allesamt die Offenheit der Interviewteilnehmer/innen negativ beeinflussen können.

Beispiele für die Zusammenstellung von Interviewpartnern/innen für einen bestimmten Q-Bereich

Eine Schule hat den Qualitätsbereich 3 „Prüfen und Beurteilen“ mit dem Fokus auf „Transparenz der Notengebung“ gewählt. Das Peer Team entscheidet, Interviews mit den folgenden Gruppen zu führen:
> Interview mit Schülern/innen der 1. Jahrgänge
> Interview mit Schülern/innen der Abschlussklassen
> Interview mit Lehrkräften > Interview mit Eltern
> Interview mit dem/der Direktor/in.

Eine weitere Methode der Datenerhebung im Rahmen des Peer Besuchs ist der Rundgang vor Ort. Bei diesem Rundgang durch die Schule bzw. Schulanlage notieren und evaluieren die Peers z.B. die Infrastruktur oder Ausstattung der Schule. Während des Peer Besuchs können auch Beobachtungen durchgeführt werden (z.B. Unterrichtshospitationen; Beobachtungen während des praktischen Unterrichts, d.h. in Laboratorien, Werkstätten etc.). Beobachtungen müssen in der Regel sehr genau vorbereitet werden, d.h. das Ziel/die Ziele und das Thema der Beobachtung werden im Voraus ebenso festgelegt wie eine systematische Vorgangsweise für die Durchführung. Neben Interviews und Beobachtungen können natürlich auch andere Methoden während des Peer Besuchs zur Anwendung kommen, wie z.B. Foto-, Video- und Bildevaluierungen, Rollenspiele, kurze Fragebogenerhebungen etc.

Während des Peer Besuchs ist es unbedingt notwendig, den Zeitplan einzuhalten. Der/die Peer Review Organisator/in hat dafür zu sorgen, dass Interviewteilnehmer/innen und Klassen während der Interview- und Beobachtungsphasen anwesend sind, und er/sie sollte Verpflegung und Transportmöglichkeiten für das Peer Team (falls erforderlich) während des gesamten Peer Besuchs zur Verfügung stellen bzw. ermöglichen.
Während des Peer Besuchs werden die von den Peers erhobenen Ergebnisse/Daten unmittelbar nach den einzelnen Sitzungen und Aktivitäten aufgearbeitet und diskutiert. Die Peers ziehen keine voreiligen Schlüsse, sondern schätzen die Datenlage sorgfältig ein und holen von den Schulvertretern/innen zusätzliche Informationen ein, falls die Ergebnisse nicht eindeutig sind. Eine kommunikative Validierung (d.h. das Einholen von Feedback von verschiedenen Gruppen von Betroffenen und Beteiligten zu erhobenen Ergebnissen; jederzeit im Peer Review Prozess möglich, zumeist jedoch nach der Feedbacksitzung mit den Schulen) kann dazu beitragen, getroffene Einschätzungen zu überprüfen und einen umfassenderen Eindruck zu gewinnen.

Die im Rahmen des Peer Besuchs erhobenen Daten bzw. Ergebnisse werden so aggregiert bzw. anonymisiert, dass sich die Aussagen auf die gesamte Schule und nicht auf einzelne Personen beziehen bzw. die Auswertungen keine Rückschlüsse auf einzelne Personen erlauben.

Es ist sehr wichtig, in der Peer Besuchs Agenda genügend Zeit für den Meinungsaustausch innerhalb der Peer Tandems sowie für die endgültige Analyse der Ergebnisse im gesamten Peer Team vorzusehen, damit die Peers die erhobenen Informationen und Daten angemessen verdichten, analysieren und diskutieren können. So erfordert z.B. ein einstündiges Interview zumindest eine halbstündige Erstanalyse. Bei Beobachtungen werden Beobachtungsleitfäden ausgefüllt, analysiert und am Ende der Beobachtungsphase zusammengefasst. Die Erhebung großer Datenmengen per se ist nicht zu empfehlen, da dabei oft zu wenig Zeit für die Analyse und die Auswertung dieser Daten bleibt.

Kreis © ARQA-VET/Reidinger